Kapitelreise an Mittelrhein und Ahr

vom 10. bis 13. Mai 2018


Eine diesmal kleine Gruppe mit 26 Weinschwestern und Weinbrüdern machte sich an Himmelfahrt um 6:30 Uhr vom Bodensee aus auf die Weinreise an die Ahr mit Weingutsbesuchen auf dem Hin- und Rückweg am Mittelrhein, bestens vorbereitet von unserem Ordensmeister Peter Eitze und seiner Frau Trudi sowie unserem Schatzmeister Hans-Peter Stier und seiner Frau Sultan.

Die feuchte Witterung veranlasste die Organisatoren für das traditionelle, von Resi wieder bestens vorbereitete, Müller-Thurgau-Frühstück nach einer Überdachung zu suchen, was an einer Rastanlage in Nähe der Autobahn bei Bruchsal auch gelang, da die dortige Tankstelle wegen des Feiertags nicht von den zahlreich hier parkenden LKW benutzt wurde. Schon auf dem Weg gen Stuttgart wurden im Bus die vorbereiteten Butterbrezeln gerne vertilgt.

Nachdem unser Busfahrer nicht wie ihm genannt die Autobahnausfahrt Bingen benutzte, um von dort aus dem Weltkulturerbe Mittelrheintal entlang bis Bacharach zu fahren, sahen wir noch den verregneten Hundsrück und ein nach Bacharach zum Rhein hin sich steil hinabziehendes Tal. Am Ortsanfang von Bacharach wurde es dann durch einen Tor-Turm hindurch ziemlich eng. Aber unserem Fahrer gelang es mit nur wenigen Zentimetern Abstand rechts und links die Engstelle zu passieren. So gelangten wir trotz Staus unterwegs und Dank der unkonventionellen Fahrweise unseres Fahrers doch noch pünktlich in Bacharach an.

Wenige Meter trennten uns von Stüber’s Rhein-Hotel, wo wir wegen des feuchten Wetters zwar nicht auf der Terrasse, dafür aber in neu und geschmackvoll eingerichteten Räumen unser Mittagsmenü samt Wasser und einem sauberen, rassigen Riesling aus dem hauseigenen Weingut uns für den nachfolgenden Weingutsbesuch stärkten. Über einen kurzen Weg auf der Stadtmauer und dann wenige Schritte durch das schöne Bacharach gelangten wir zum bekannten VDP-Weingut Hahnenhof von Toni Jost.

Dort begrüßte uns die engagierte Tochter Cecilia mit einem Riesling Sekt brut und stellte uns, zusammen mit ihrer routinierten Mutter, mit 7 Weinen einen Querschnitt durch das Riesling-Weingut vor, beginnend mit einem 2017er Weißburgunder gefolgt von einer Rieslingpalette mit 2017er trocken, 2016er Lagenwein und GROSSES GEWÄCHS bis hin zu 2015er feinherb, 2008er Spätlese gekrönt von einer 2015er Auslese.

Nach dem üblichen Einkauf und Verladen der georderten Kartons ging es weiter über Koblenz und dann über die Autobahn auf den Ausläufern der Eifel ins Ahrtal nach Bad Neuenahr zum SETA-Hotel am Kurpark, was an den folgenden Tagen nur kurze Fahrzeiten zu den Weingütern im Ahrtal ermöglichte. Das Abendessen konnten wir am Anreisetag nach einem Apéro mit ausgiebigem Sekt Blanc de Noir bequem im Hause einnehmen. Dazu erhielten wir Besuch von der Weinbruderschaft der Ahr durch den Zweiten Vorsitzenden Andy Neumann und dessen Schatzmeister. Der früh begonnene Tag zog die meisten dann auch alsbald in die Betten.

Am Freitagmorgen ging es nach einem stärkenden Frühstück wenige km ahrabwärts zum Weingut Burggarten Paul-Josef Schäfer in Heppingen, wo es sich der Seniorchef trotz drei im Betrieb mitwirkender Söhne nicht nehmen ließ, uns seine Weine selbst vorzustellen.

Somit auf die fast ausschließlich Rotweine erzeugende Ahr gut vorbereitet, ging es dann das schöne Ahrtal den mehr und mehr steilen und terrassierten Weinbergen entlang die Ahr aufwärts bis zur ältesten deutschen Winzergenossenschaft in Mayschoss. Dort wurden wir mit einem Rosé Sekt trocken von der engagierten stellvertretenden Kellermeisterin Astrid Rickert begrüßt und mit einem habhaften Imbiss im traditionellen Kellergewölbe versorgt. Danach ging es durch den neueren technischen Betriebsbereich von der Abfüllung über Kelterhaus mit Traubenannahme und dem neuen Tanklager wieder hinab in den darunterliegenden Holzfasskeller, wo wir eine aus dem Barrique direkt gezapfte Fassprobe eines Spätburgunders verkosten konnten. Im zuvor schon vom Imbiss her bekannten Probiergewölbe folgte dann noch ein Querschnitt aus dem Sortiment dieser Top-Genossenschaft über Riesling, Blanc de Noir, Frühburgunder und Spätburgunder.

Auf dem Rückweg zum Hotel folgte noch ein Abstecher zum VDP-Weingut J.J. Adeneuer, welches an diesem Wochenende für viele Weinfreunde zum Ziel wurde. Trotzdem ließ es sich Marc Adeneuer nicht nehmen, uns einen Querschnitt seiner Weine zu präsentieren incl. Blick in den Keller. Man konnte bei Adeneuer auch Weißweine vom Weingut Emrich-Schönleber aus Monzingen an der Nahe probieren, eine schöne Abwechslung zumindest für den Berichtschreiber mit Erinnerung an sein erstes Lehrjahr in Bad Kreuznach.

Nach kurzer Pause im Hotel wurden wir zum nahen Gasthof „Sanct Peter“ des bekannten Weinhauses der Familie Brogsitter gefahren, wo wir zunächst im Garten mit Blanc de Noir Sekt willkommen geheißen wurden und sonach von der Sommelière des Hauses 5 Weine zum 3-gängigen Menü präsentiert bekamen. Brogsitter ist wohl das größte Weingut an der Ahr, betreibt jedoch auch Handel, wie die bestens ausgestattete Vinothek im Erdgeschoß des Hauses demonstrierte. Kulinarisch wie auch vom Ambiente her war dies schon ein Highlight dieser Kapitelreise.

Am Samstag ging es wieder ahraufwärts zum Weingut Jean Stodden. Wer bei der letzten Kapitelreise 2006 ebenfalls bei Stodden dabei war, konnte über den inzwischen großzügig, modern, jedoch solide erweiterten Bereich Weinverkauf und Präsentation staunen. Hier kann man erkennen, dass im Spitzenbereich des Deutschen Weinbaus nicht nur Geld verdient, sondern auch wertig und imagefördernd investiert werden kann.

Alexander Stodden versteht es jedoch auch, sich mit seiner eigenständigen Arbeitsweise ins rechte Licht zu setzen. So wird uns in Kopie ein Artikel der FAZ von Jakob Strobel y Serra überreicht mit dem Titel „Der Sinn des Weintrinkerlebens“ und der Zwischenüberschrift „Und keine Frage offen: Wer die Spätburgunder von Alexander Stodden aus Rech trinkt, weiß end- und letztgültig, warum diese Traube die Königin aller Reben ist.“
Frühburgunder scheint hier im Gegensatz zu anderen Erzeugern kein besonderes Thema zu sein.

Danach ging es wenige Kilometer ahrabwärts zum VDP-Weingut H.J. Kreuzberg, wo wir zunächst, wie meist üblich, mit einem Blanc de Noir Sekt begrüßt wurden und danach leiblich gestärkt eine interessante Weinprobe wie auch den recht besonderen Weg des Weinguts in der jüngeren Vergangenheit von Frank Josten präsentiert bekamen.

Danach folgt eine besondere Überraschung:
Nach kurzer Suche fanden unsere Organisatoren einen für unseren Bus recht engen Weg am Nordhang des Tals bei Ahrweiler in die Höhe hinauf. Glücklicherweise war dort auch ein Platz zum Abstellen und Drehen des Busses. Dann folgte eine kurze Wanderung durch Wiesen, an Wochenendgrundstücken vorbei und zuletzt oberhalb der Weinberge zur Winzerkapelle St. Urban, welche von der Weinbruderschaft der Ahr 1995 erbaut wurde. Dort wurden wir bereits von Andy Neumann erwartet. Von der Kapelle hat man einen sehr schönen Ausblick über das untere Ahrtal. In der Kapelle erwartete uns dann eine Besonderheit: Der fassähnliche Altar lässt sich nämlich zur Seite drehen und öffnet den Zugang zu einer engen Wendeltreppe in die „Wein-Gruft“. Wir fanden dort alle gerade so Platz, Gläser wurden verteilt und dann sollte eine besondere Flasche aus dem dortigen Wein-Archiv der Weinbruderschaft geöffnet werden, aber keiner hatte das geeignete Instrument zum Herausziehen des Korken dabei – außer einem der nie ohne dieses wichtige Werkzeug unterwegs ist. Ihr dürft raten wer?

Der Korken zeigte sich jedoch als besonders widerspenstig, konnte aber der einschlägigen Erfahrung des Korkenzieherbesitzers nicht widerstehen und wir kamen in den besonderen Genuss einer 1999er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG des Weingutes J.J. Adeneuer. Anschließend durften wir sogar noch eine weitere Kostbarkeit aus diesem interessanten Archiv vor der Kapelle genießen, einen 2000er Neuenahrer Sonnenberg Frühburgunder vom Weingut Burggarten. Dann ging es zurück zum Bus und im Hotel blieb genug Zeit zum relaxen, bevor wir uns dem kulinarischen Höhepunkt der Reise zuwandten.
Unser Bus brachte uns direkt zum Stadttor in der Altstadt des historischen Ahrweiler, von wo aus wir nach kurzem Spaziergang das vorzügliche Restaurant und Hotel „Prümer Gang“ erreichten. Hier erwartete uns ein 5-gängiges Galadiner begleitet von jeweils 2 Weinen je Gang aus dem bekannten CDP-Spitzenweingut Meyer-Näkel in Dernau. Die Weissburgunder, Blanc de Noir sowie Spät- und Frühburgunder, davon zwei aus Magnumflaschen, bis zu edelsüßen Rieslingen und Jahrgängen zurück bis 2011 waren hervorragende Begleiter zu den Kreationen der Küche.

Am Sonntag früh wurde nach einem ausgiebigen Frühstück das Gepäck verladen, was unserem Busfahrer aufgrund der inzwischen erheblichen Weinfracht etwas logistisches Können abforderte.

Die Kapitelreise war jedoch noch nicht zu Ende, denn wir machten ab Koblenz nochmals einen Abstecher an den Mittelrhein ins nahe Boppard-Spay zum VDP-Weingut Matthias Müller. Auch dort hatte man sich an diesem Wochenende zur Jahresprobe des Hauses eingerichtet. So konnten wir, nach kurzer Einführung durch den Herrn des Hauses, ganz zwanglos das an langer Tischreihe komplett aufgestellte Sortiment hauptsächlich aus fruchtigen, trocken, feinherb und edelsüß (ausschließlich durch vorzeitigen per Kühlung bewirkten Abbruch der Gärung) ausgebauten interessanten Rieslingen mit fachkundiger Beratung probieren. Dies war nach der „rotweinlastigen“ Ahr ein feiner Genuss und infolge der ausgesprochen fairen Preise des Weinguts trotz arbeitsintensiver Steillagen ein letzter Anreiz, die Lücken im Gepäckraum unseres Busses vollends zu füllen.

Zur Stärkung ging es danach ins nur 3 km entfernte Boppard zum direkt am Ufer gelegenen „Bellevue Rheinhotel“. Witterungsbedingt musste die einfache Stärkung mit Pasta – meist von einem erfrischenden Pils begleitet - von der Terrasse am Rhein in ein uriges Kellergewölbe verlegt werden. Dies störte uns aber keineswegs, da wir nach kulinarischen Höhepunkten und nach feuchter Anfahrt zwei schöne trockene und meist recht sonnig-warme Tage an der Ahr hinter uns hatten.

Trotz diverser Staus und technischer Probleme des Busses kamen wir zwar müde aber glücklich wieder am Bodensee an.
Eine hervorragend organisierte, harmonische Kapitelreise mit neuen Weinerlebnissen ging wieder einmal gut zu Ende. Den Organisatoren sei dafür herzlich gedankt.

Helmut Häussermann

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